Schweizer Auto mit holografischen Displays

Der Holograktor von WayRay ist ein faszinierendes Konzept-Fahrzeug. Die darin verbaute Lasertechnik für Head-up-Displays kommt aber bald schon auf den Massenmarkt.

TextLorenz Keller


Es kommt nicht oft vor, dass ein Schweizer Brand ein eigenes Auto vorstellt. Der Holograktor des Zürcher Start-ups WayRay ist aber auch in anderer Hinsicht etwas ganz Besonderes. Wir haben uns das Schweizer Auto mit holografischen Displays genau angeschaut.

Futuristischer Showcar für aktuelle Technik

Vorerst hat WayRay nicht vor, ein solch futuristisches Fahrzeug zu bauen. Der Dreisitzer mit Elektroantrieb und Joysticks ist vielmehr die Plattform, um die neue Technik des Schweizer Zulieferers zu zeigen.

WayRay arbeitet bereits seit neun Jahren an holografischen Head-up-Displays, die direkt in die Frontscheibe integriert sind. Das Start-up mit Sitz in Zürich und Ablegern in mehreren Ländern beschäftigt inzwischen 250 Angestellte. 100 Millionen Franken haben Investoren wie Porsche, Hyundai oder Alibaba eingeschossen.

«2023 kommt das erste Serienmodell auf den Markt, das unsere Technik eingebaut hat», sagt Vitaly Ponomarev, Gründer und CEO von WayRay, als er Daskannwas das neue Auto zeigt. Und setzt sich der holografische Screen erst einmal durch, dann könnte es durchaus sein, dass der Schweizer Hersteller auch den Holograktor Realität werden lässt.

Head-up-Display mit Hologramm und Augmented Reality

Die zentrale Idee von WayRay: Mithilfe von speziell entwickelten Lasern werden Grafiken und Informationen direkt an die Scheibe projiziert. Also etwa Navigationshinweise, aber auch Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder Shops oder auch Warnungen zu anderen Verkehrsteilnehmern oder Fussgängern.

Im Vergleich zu konventionellen Head-up-Displays ist das Sichtfeld grösser, und die holografischen Einblendungen sind wie bei Augmented Reality direkt in die Realität eingebunden. Ein Pfeil wirkt also so, als würde er direkt auf der Strasse liegen. Für das Gehirn verschmelzen Realität und virtuelle Projektion – was auch nicht anstrengend ist wie etwa Virtual Reality.

Schöner Nebeneffekt: Während ein ähnliches System mit konventioneller Technik 20 bis 25 Liter Raum braucht, sind es bei WayRay nur drei bis vier Liter. Das ist natürlich ein zusätzliches Argument für das Schweizer Auto mit den holografischen Displays.

Vitaly Ponomarev ist überzeugt, dass WayRay der einzige Hersteller ist, der so etwas momentan bauen kann. Von der Software über die Laser bis zur speziellen Folie in den Scheiben wird alles selber hergestellt. «Ich bin überzeugt, dass wir als Deep-Tech-Automobilzulieferer den grössten Marktanteil erobern werden», sagt der WayRay-Chef.

Joysticks an den Sitzen und Projektionen rundherum

Im Konzeptfahrzeug nun wird diese Idee weitergedacht. Hier gibts gleich zwei holografische Projektionen auf die Frontscheibe – für Fahrer und Beifahrer. Der Passagier, der hinten in der Mitte sitzt, sieht Einblendungen vor sich auf einer Scheibe, aber auch an der Seite. Für die Technik wurde extra unter dem Dach Platz geschaffen.

Die Idee dahinter: Die Insassen erhalten Informationen, Angebote und Inhalte direkt auf die Scheibe projiziert. Auch eine Gamification der Fahrt ist möglich, so könnten andere Fahrzeuge etwa als Avatare mit eigenem Design dargestellt werden. Dazu gibts auch an jedem Sitz zwei Joysticks.

Der Holograktor ist speziell für moderne Mobilitätsformen ausgelegt, etwa Fahrdienst wie Uber oder Carsharing. Dank gesponserten Inhalten könnte mit dem Entertainment-Fahrzeug auch der Fahrpreis gesenkt werden.

Sitzt der Fahrer im Auto, sorgt ein Luftvorhang dafür, dass die einzelnen Sitze klimatisch voneinander abgetrennt sind – ohne dass es physische Barrieren braucht. Es ist sogar möglich, dass der Fahrer sozusagen im Homeoffice arbeitet. Der Holograktor lässt sich aus der Ferne über einen Simulator steuern.

Die Fantasie wird zur Realität

Mit dem Konzept versucht WayRay aufzuzeigen, wie die Automobilindustrie sich weiterentwickeln kann. Software, Anwendungen und Dienstleistungen werden wichtiger, der eigentliche Autoverkauf nimmt an Bedeutung ab.

Und auch wenn vieles noch sehr futuristisch tönt, ist der Holograktor durchaus so konzipiert worden, dass er innert vier Jahren zur Serienreife weiterentwickelt werden könnte. Um etwa im Flottenbetrieb zum Einsatz zu kommen.

Darum hat man mit Sasha Selipanov auch einen erfahrenen Autodesigner engagiert, der unter anderem am Lamborghini Huracan und am Bugatti Chiron mitgearbeitet hat. Der Holograktor ist sportlich designt und überrascht mit vielen Kanten. So taucht immer wieder ein Dreieck als Gestaltungselement auf.

Der Höcker auf dem Dach ist der Lasertechnik für den Rücksitz geschuldet. Da man ihn nicht verstecken kann, ist er zu einer Art dickem Spoiler geworden. Das 4,4 Meter lange Auto soll einen Elektroantrieb mit einer Reichweite von 600 Kilometern erhalten.

Schweizer Auto mit holografischen Displays

Ein toller Einstand des Schweizer Start-ups WayRay als Autobauer. Die eigene Laser-Hologramm-Technik ist ja eigentlich schon futuristisch genug. Doch das Unternehmen denkt schon weiter und versucht, aktuelle Trends in der Mobilität in neue Geschäftsfelder für die Autohersteller umzuwandeln.

Dass die individuelle Mobilität zugunsten von Shared Mobility zurückgeht, kann man ja jetzt schon beobachten. Warum also nicht ein speziell für diese Zielgruppe konzipiertes Fahrzeug – das erst noch total variabel einsetzbar wäre? Von einem echten Driver gesteuert oder aus der Ferne – oder auch für Selbstfahrer mietbar.

Der Holograktor ist aber auch einfach ein guter Showcase dafür, wie viele Möglichkeiten die Technik von WayRay bietet. Es ist sozusagen eine Art Metaverse fürs Auto, also eine Verschmelzung von Realität und virtueller Welt.

Direkt auf die Strasse projizierte Navigationsanweisungen und Warnhinweise sind da nur der Anfang. Die gesamte Umgebung könnte mit virtuellen Inhalten angereichert werden. 

Apropos Elektromobilität: Hier kann man den Test des E-Rollers von Yadea nachlesen.